Die wunderschönen Tagpfauenaugen gehören zu den Edelfaltern. Durch ihre eindrucksvolle Färbung und die anschauliche Größe fallen sie schnell auf. Gern nehmen sie ein Sonnenbad auf ruhigen Wegen. Wenn sie dabei plötzlich ihre Flügel auffalten und die großen Augenflecken zum Vorschein kommen, kann man sich gut vorstellen dass sie so manchen Vogel erschrecken und somit davon abhalten den Falter zu fressen. Die Flügelunterseite zeigt hingegen nur dunkle Brauntöne. Auf diese Weise fällt er in der Vegetation kaum auf. In der Region Braunschweig sehe ich in den letzten drei Jahren außerhalb von Ortschaften häufiger Distelfalter als Tagpfauenaugen. Allerdings kann man sie oft zu mehreren an Schmetterlingsflieder in Gärten sitzen sehen. Auch auf Flächen wo Bauernblumen zum Selberpflücken angepflanzt werden sind in der Regel Tagpfauenaugen anzutreffen. Die letzten 4 Fotos machte ich ende Juli auf einer Distel.
Als ich mir das erste mal diesen Falter genauer ansah und seine Beine zählte waren es nur 4! Dabei hatte ich doch mal gelernt das Insekten 6 Beine haben. Anschließend erfuhr ich, dass gerade von Edelfaltern das erste Beinpaar zu kurzen Ptuzpfoten umgebildetet ist. Siehe letztes Foto.
Die Tagpfauenaugen sind das ganze Jahr bei uns anzutreffen, da sie hier überwintern. Allerdings suchen sie sich ab September/ Oktober geschützte Winterquartiere, wie beispielsweise Höhlen in Gesteinen oder hohle Baumstämme. Auch auf Dachböden oder in Kellern sind sie in der kalten Jahreszeit des öfteren zu finden. Da es auf Dachböden in der Regel zu trocken ist, fehlt ihm die Feuchtigkeit und er stirbt. Wenn es im Frühjahr wieder wärmer wird beginnt auch wieder die Flugzeit. Bis Mai sterben die überwinterten Falter.
Die Weibchen legen ab etwa Mitte April gelb-grüne Eigelege (bis zu 200) an die Blattunterseite von Brennesseln, besonders an der Großen Brennessel. Dabei bevorzugt sie auch noch eher sonnige Plätze. Die jungen Raupen, die sich ca. 2-3 Wochen später aus den Eiern fressen, spinnen sich schon bald darauf ein Gespinst zum Schutz indem sie zunächst gemeinsam leben. Sie häuten sich mehere Male und wenn sie älter werden geht jede ihren eigenen Weg bis sie sich schließlich, ungefähr 4 Wochen nach dem Eischlupf, verpuppen. Ich habe schon manches mal eine Raupe getroffen, die auf ihrer Reise zu einem geeigneten Verpuppungsort war. Die Stacheln der Raupen schützen sie und brechen doch schnell ab, außerdem erbrechen sie eine grünliche Substanz zur Feindabwehr. Nach ungefähr 10-15 Tagen schlüpft aus der Stürzpuppe die erste Generation der Falter. Eine zweite oder 3. Generation kann anschließend folgen, so kann man Raupen bis in den September beobachten. Die Temperatur beeinflusst die Länge der Verpuppungszeit.
Bei diesen Raupen, die sich ausschließlich von Brennesseln ernähren, wird mir wieder bewusst wie sinnvoll und wichtig jedes Lebewesen und Element in der Natur ist. Denn stirbt das Eine aus...stirbt auch das Andere. In unseren Breiten sind auch die Raupen von Landkärtchen und Admiral auf Brennesseln als Futterpflanzen angewiesen!
Die Schmetterlinge saugen Nektar und sind manchmal an Fallost saugend zu beobachten.
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